Ein Schlupfloch...
Im gestrigen Steffens Daily erwähnte ich die Möglichkeit, dass die Anleihekäufe des ESM durch ein Veto Finnlands unterbunden werden könnten. Ein Leser machte mich darauf aufmerksam, dass es allerdings ein Schlupfloch gibt. Ich zitiere dazu einen Absatz aus einem Artikel von Spiegel Online.:
„[…]Eine Entscheidung darüber muss im Gouverneursrat der Fonds einstimmig fallen. Ein finnisches Nein könnte das Vorhaben torpedieren. Es gibt jedoch einen Ausweg: Sollten Europäische Zentralbank und EU-Kommission die Lage als Notfall beurteilen, kann der Fonds auch lediglich mit der Zustimmung von 85 Prozent handeln. Ohne Deutschland geht es allerdings nicht - die Bundesrepublik zahlt 27 Prozent des Stammkapitals des ESM und hat damit auch ein entsprechend höheres Gewicht beim Stimmrecht.[…]
Quelle: spiegel-online.de
Schlupflöcher und Sonstiges
Ich schrieb ja schon, dass es harte Zeiten sind, wenn man als einfacher Börsianer auch noch in die Tiefen der europäischen Politik inklusive aller Bestimmungen und Schlupflöcher vordringen muss. Und aus diesem Grund möchte ich noch einmal betonen, dass man als Trader, sofern die Situation in hohem Maße undurchsichtig wird, zum Glück immer noch die Charttechnik hat.
Der Target-Trend-Chart des DAX

Der DAX ist nun in das nächst höhere Rechteck eingedrungen, das ist insoweit ein erstes bullishes Zeichen. Das nächste Kursziel liegt damit bei der Mittellinie dieses Rechtecks, bei 6.957 Punkten. Allerdings muss damit gerechnet werden, dass die 6.478er Marke noch einmal von oben getestet wird.
Bearishe Variante der klassischen Charttechnik
Nach der klassischen Charttechnik gibt es allerdings noch eine eher bearishe Variante:

Es könnte sich auch lediglich um eine Konsolidierung in einem Abwärtstrend in Form einer „abc“-Konsolidierung halten. Das wäre der Fall, wenn die aktuelle Aufwärtsbewegung noch bis zur maximal 6.619 Punkten läuft und dann die Kurse wieder zurückfallen. In diesem Fall muss mit einer dynamischen Fortsetzung des Abwärtstrends gerechnet werden. Dieses Szenario muss demnach beobachtet werden. Ein nachhaltiges Überwinden der 6.619er Marke würde es hingegen schnell auflösen. Das nur zur Ihrer Information.
Fazit
Das charttechnische Bild hat sich durch die positive Entwicklung der vergangenen Tage wieder etwas aufgehellt. Noch gefällt mir nicht, dass die US-Indizes die Freude im DAX bisher nicht teilen wollen. Sollte die europäische Krise tatsächlich in den Hintergrund treten, müssten auch die US-Indizes stärker reagieren. Schließlich wird diese Krise allgemein als das größte Risiko für die Weltwirtschaft beschrieben.
Sind also die aktuellen Kursgewinne demnach nur eine einsame Spekulation auf eine Zinssenkung am Donnerstag? Oder rechnen institutionelle Anleger tatsächlich damit, dass die auf dem EU-Gipfel gefundenen Beschlüsse die europäische Krise besänftigen? Dazu passt allerdings nicht, dass der Umsatz noch vergleichsweise niedrig ist. Wie ich schrieb, man kann beim Bruch der 6.478er Marke mitspielen, sollte aber vorsichtig bleiben.
Viele Grüße
Jochen Steffens
Quelle: www.stockstreet.de

