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Lichterlöschen beim Joint Venture Scoach
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THEMA: Lichterlöschen beim Joint Venture Scoach

Lichterlöschen beim Joint Venture Scoach 22 Feb 2013 07:38 #2629

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Das war am Mittwoch eine überraschende Nachricht. Bin gespannt, wie es weitergeht...


Die gemeinsame Handelsplattform Scoach der SIX und der Deutschen Börse ist am Ende. Das Joint Venture scheitert an tieferen Umsätzen, der Konkurrenz - und Unstimmigkeiten. Offenbar musste es am Schluss schnell gehen.

Die SIX und die Deutsche Börse gehen nach der Eurex auch im zweiten Derivate-Gemeinschaftsunternehmen getrennte Wege. Die Zusammenarbeit bei der strukturierte Produkte-Handelsplattform Scoach soll am 30. Juni 2013 beendet werden, teilte die SIX am Mittwoch mit.

Scoach hatte den Handel 2007 aufgenommen. Die Plattform betreibt sowohl in Zürich und in Frankfurt einen Handel und ist eigenen Angaben zufolge mit einem Handelsvolumen von 42,6 Milliarden Euro nach Hongkong und Seoul die weltweit drittgrösste Börse für strukturierte Produkte.

Offenbar musste es bei der Auflösung des Vertrages ziemlich schnell gehen, denn wesentliche Fragen sind nicht geklärt: Wie es mit dem Namen Scoach weitergeht, sei noch Gegenstand von Abklärungen, sagt SIX-Sprecher Stephan Meier zu cash. Ob und wie Scoach-Schweiz-CEO Christian Reuss weiterbeschäftigt wird, ist ebenfalls unklar.

Über die zukünftige Organisationsform von Scoach Schweiz wurde ebenfalls nichts mitgeteilt. Fest steht, dass die SIX das Geschäft mit Zertifikaten und Optionsscheinen fortsetzen will. "Wir werden den Schweizer Markt weiterführen", betont Meier.

Unstimmigkeiten zwischen Vertragspartnern

Auch bei der Angabe von Gründen zum Ende der Derivatebörse geben sich die Betreiber wortkarg. Ein Branchenkenner sagt aber zu cash, dass es latente Unstimmigkeiten zwischen den beiden Vertragspartnern gegeben habe. Die Deutschen hätten jeweils viel Gewinn abgeschöpft, aber relativ wenig zum Umsatz beigesteuert. In der Tat steuerte der Schweizer Teil des Unternehmens im Jahr 2012 doppelt so viel Umsatz bei wie der deutsche. Dazu passt die offizielle Mitteilung der SIX vom Mittwoch, dass sie es gewesen sei, die den Kooperationsvertrag aufgelöst habe.

Aber auch das Börsen- und Investorenumfeld stimmte immer weniger, wie Scoach-Chef Christian Reuss in einem Interview, das Reuters noch vor wenigen Tagen veröffentlichte, durchblicken liess.

Demzufolge sei Scoach zwar gut ins neue Jahr gestartet, "aber die ersten Indikatoren für Februar sind leicht rückläufig", sagte Reuss. Im vergangenen Jahr fiel das Handelsvolumen an der Scoach in Frankfurt und Zürich im Vergleich zu 2011 um mehr als 30 Prozent auf 42,6 Milliarden Euro.

Reuss sieht kurzfristig keine Trendumkehr, weil es noch viele ungelöste Herausforderungen in Politik und Wirtschaft gebe und die Anleger deshalb verunsichert seien, so der Scoach-CEO weiter im Interview. Die Zurückhaltung der Investoren betreffe aber nicht nur den Markt für strukturierte Produkte. "Privatanleger sind derzeit eher passiv und tendenziell orientierungslos." Die Märkte befinden sich laut Reuss seit 2008 in einer Art Dauerkrise. Die Anbieter täten sich schwer, neue Kunden für Zertifikateprodukte zu begeistern.

Immer mehr Konkurrenz


Scoach kämpfte zuletzt auch mit der zunehmenden Konkurrenz. So wollen grosse Emittenten von strukturierten Produkten wie Julius Bär, ZKB und Vontobel mit der Berner Börse einen zweiten Konkurrenten für den Marktführer schaffen, wie vor drei Wochen bekannt wurde. Dies, nachdem sich schon Swiss Dots innerhalb weniger Monate als Alternative etabliert hatte. Swiss Dots ist eine Gemeinschaftsfirma der Online-Broker Swissquote mit den Banken Goldman Sachs und UBS.

Scoach wäre im neuen Umfeld kaum um deutliche Preissenkungen herumgekommen, sagen Kenner der Lage. Bei zuletzt rund 45'000 neu gelisteten Produkten pro Jahr lieferten die Gebühren einen beträchtlichen Beitrag zum Scoach-Jahresergebnis.

Wie im Aktienhandel tanzen die Banken auch bei Derivaten auf zwei Hochzeiten. Sie sind einerseits Eigentümer der Scoach-Muttergesellschaft SIX. Gleichzeitig bauen sie alternative Handelsplätze wie Swiss Dots auf, die der Scoach das Wasser abgraben. "Es hat keinen Platz für eine weitere Plattform", erklärt ein Experte von einigen Wochen gegenüber Reuters. "Das wird auf einen reinen Verdrängungswettkampf rauslaufen, der über den Preis geführt wird. Der Erfolg der Scoach steht und fällt mit der Möglichkeit, die Preise zu senken."

Handel von "strategischer Bedeutung"

Der Rückzug aus dem Joint Venture sei nun eine Massnahme, die der Scoach Schweiz wieder mehr unternehmerische Freiheit gebe, sagt SIX-Konzernleitungsmitglied und Börsenchef Christian Katz gegenüber sda. Und: "Der Handel mit strukturierten Produkten ist für SIX von strategischer Bedeutung".

Anfang 2012 hatte die SIX die Beteiligung an der Terminbörse Eurex an die deutsche Börse verkauft. Nach der Trennung bei Scoach arbeiten die beiden Unternehmen nur noch mit den Index-Firmen Stoxx und Indexium zusammen.


Quelle: www.cash.ch/news/im_fokus/lichterloesche...e_scoach-3032074-635
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