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21. Jun
2012

Die nächste Runde des Gelddruckens hat begonnen – Weitere Schritte werden folgen

Geschrieben von: fxcm

Getagged in: Märkte aktuell

fxcm

Nur die japanischen Investoren waren so richtig erfreut über die nur halbherzige Aktion der US-Notenbank, ihre „Operation Twist“ um weitere 267 Milliarden Dollar bis zum Jahresende auszuweiten.

Alle weiteren Schritte über diese Maßnahme hinaus, wie zum Beispiel eine Ankündigung eines neuen Quantitative Easing 3 (QE3), also die Versorgung der Finanzmärkte mit frischem statt „umgeschichteten“ Geld, hätten den Dollar geschwächt. So aber hielt sich der Dollar stabil, verloren hat unter anderem der Japanische Yen, und das half Nippons Exportwerten.

 

Alle anderen Märkte reagieren heute eher enttäuscht auf den aus ihrer Sicht erwarteten Schritt der amerikanischen Notenbank. Diese Enttäuschung könnte sich aber im Laufe der nächsten Wochen schnell in eine optimistische Grundstimmung in Erwartung konkreterer Schritte in diese Richtung auch von Bernankes Kollegen in Frankfurt, London und Tokio wandeln. Denn der Boden dafür ist nun bereitet. An einem „Schluck mehr aus der Pulle“ schon zu diesem Zeitpunkt haben Bernanke auch die bevorstehenden Präsidentschaftswahlen im November in den USA gehindert. Wollte der US-Notenbank-Chef doch nicht den Eindruck gegenüber der schon lange in diese Richtung argumentierenden Opposition noch weiter verstärken, Obama das Geldausgeben zu stark erleichtern zu wollen.

 

Die kriselnde Weltwirtschaft wird in den nächsten Monaten auf diese Finanzspritzen angewiesen sein, um wieder auf die Beine zu kommen. Europa steht kurz vor der Rezession, und mit einem Wachstum von nur noch sieben Prozent können die Chinesen auch nicht zufrieden sein. Für die USA haben die Währungshüter ihre Erwartungen für das Wachstum für 2012 gestern auf 1,9 bis 2,4 Prozent heruntergeschraubt. Auch Bernanke ließ keinen Zweifel daran aufkommen, Europa sei schuld an dieser Lage und spielte den Ball weiter nach Frankfurt, mehr gegen die Krise zu tun.

Ob dieser Ball allerdings direkt nach Frankfurt gespielt wird oder erst einmal in London halt macht, da bin ich mir aktuell nicht ganz sicher. Die Bank of England zumindest hat in dieser Woche gute Zahlen zur Inflation bekommen. Diese ist im Mai erstmals seit 2009 unter die Marke von drei Prozent gefallen. Damit ist der Spielraum für weitere geldpolitische Lockerungen wieder etwas größer geworden. Das nächste Treffen der Notenbanker findet in London Anfang Juli statt. Auf der Juni-Sitzung scheiterten die Befürworter weiterer Anleiheaufkäufe nur noch knapp mit vier gegen fünf Stimmen. Sollte sich die Lage also bis zum Meeting am 04./05. Juli nicht signifikant verbessern, wovon ich nicht ausgehe, wird die Bank of England eine Ausweitung um weitere 50 auf dann 375 Milliarden Pfund (rund 470 Milliarden Euro) beschließen.

 

Die EZB in Frankfurt wird jetzt genau die Anleihe-Auktionen von Spanien und Italien im Auge behalten. Heute zumindest musste Spanien für die Auktion neuer fünfjähriger Papiere über ein Prozent tiefer in die Tasche greifen als noch im Mai. Die Rendite lag so hoch wie seit 15 Jahren nicht mehr, nämlich bei 6,07 Prozent (Mai: 4,96 Prozent). Sollte sich die Situation für Spanien, an frisches Geld zu kommen, weiter verschärfen, wird die EZB zur Beruhigung der Märkte eingreifen. Auch hier halte ich das Meeting Anfang Juli für einen geeigneten Zeitpunkt. Die Rufe nach Eingriffen des Euro-Rettungsfonds EFSF, dieser solle Staatsanleihen der kriselnden Länder wie Spanien aufkaufen, werden immer lauter. Mit dem französischen Top-Notenbanker Benoit Coeure hat sich nun erstmals ein prominentes Mitglied aus der Deckung gewagt und diese Forderung der Politiker in Madrid und Rom unterstützt.

 

Die nächste Runde des Gelddruckens rund um den Globus wurde also gestern Abend, wenn auch noch sehr zögerlich, eingeläutet. Für den Devisenmarkt bedeutet das für mich, jetzt auf ein eher fallendes Britisches Pfund und einen fallenden Japanischen Yen zu setzen, denn von dort werden die nächsten Schritte in die oben beschriebene Richtung kommen. Auch dem Euro traue ich – wie schon oft an dieser Stelle erwähnt – in den nächsten Wochen keine Stärke zu und würde mich eher nach Ausreißern nach oben auf der Short-Seite positionieren. Für den aktuell noch als sicherer Hafen gesuchten US-Dollar wird es erst dann richtig spannend, wenn die Finanzmärkte ihren Fokus verschieben und die amerikanische Verschuldung diskutieren.

 


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