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22. Mai
2013
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Verluste gehören zum GeschäftGeschrieben von: hellwigbank |
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Jeder Mensch geht anders mit Verlusten um. Stellen Sie sich einmal vor, dass Sie für 100.000 Euro BMW-Aktien gekauft haben. Diese 100.000 Euro stellen in unserem Beispiel den Bezugspunkt dar, den sie bereits im Artikel "3...2…1… meins!" kennengelernt haben.
Nun gibt es mehrere Möglichkeiten, wie sich Ihr Depotwert entwickeln kann. Ihre Position könnte um 15 Prozent steigen und Ihr Depot somit um 15.000 Euro anwachsen, es könnte um 15 Prozent fallen und Sie müssten einen Verlust von 15.000 Euro hinnehmen oder der Wert des Depots bleibt annähernd gleich. Schmerz und Freude offenbaren sich sofort beim ersten Blick auf den Depotwert.
Der Umgang mit Verlusten ist für den Menschen sehr viel schwerer als der Umgang mit Gewinnen. Verluste wiegen Schätzungen zufolge mindestens doppelt so stark in der menschlichen Empfindung wie Gewinne.
Deshalb sind Menschen sehr bemüht darum, Verluste zu vermeiden. In der Behavioural Finance bezeichnet man das als „loss aversion“.

Viele Anleger verzichten sogar gänzlich auf Stoppkurse, um die Realisierung eines Verlustes zu vermeiden.
Verluste gehören jedoch zum täglichen Geschäft dazu und Sie sollten stets an der nötigen Disziplin arbeiten, die Verlustbringer rechtzeitig abzustoßen. Hierbei können Stopp Loss Kurse sehr hilfreich sein, wenn Sie Schwierigkeiten haben, Ihren mental gesetzten Stop Loss Kurs umzusetzen.
Es ist beim Trading sehr wichtig, eine festgelegte Stop Loss Strategie zu haben. Entgegen der allgemeinen Tradingliteratur spricht meiner Ansicht nach nichts dagegen, eine Position zu pyramidisieren, die in den Verlust gelaufen ist. Hierzu sollte aber auf jeden Fall Ihr vorher definiertes Set-Up nach wie vor Gültigkeit besitzen. Für diese Strategie benötigen Sie einen sogenannten Initial Stop Loss. Wenn Sie beispielsweise Ihre Position zum dritten Mal vergrößern, sich das Set-Up aber einfach nicht umsetzen möchte, dann sollten Sie diese Position glattstellen und den Trade auslassen. Dies setzt natürlich voraus, dass Sie keinesfalls mit Ihrem maximal möglichen Volumen in den Trade gehen, sondern die Möglichkeit einplanen, eine Position drei Mal vergrößern zu müssen und am Ende trotzdem nur Ihren ursprünglich geplanten Stop Loss Betrag verloren zu haben.
Als Verstärkung für die Verlustaversion fungiert die sogenannte Regret Avoidance. Das bedeutet nichts anderes, als dass Menschen ihre Fehler nicht bedauern möchten. Eine Entscheidung wird nachträglich danach bewertet, was passiert wäre, wenn wir eine andere Entscheidung getroffen hätten. Doch wie lässt sich dieses Beispiel nun auf das Trading übertragen? Das möchte ich ihnen an einem einfachen Beispiel verdeutlichen.
Nehmen wir an, dass sie einen Penny Stock für 50 Cent je Aktie gekauft haben. Ihr Volumen betrug 30.000 Euro. Innerhalb einer Woche fällt der Kurs auf 32 Cent und ihr Investment ist somit nur noch 19.200 Euro wert. Die Regret Avoidance wirkt sich nun folgendermaßen aus: Obwohl Ihre Position bereits 36 Prozent im Minus ist, bewirkt die Regret Avoidance in Ihnen eine Art Untätigkeit. Sie haben Angst, ausgerechnet am Tiefpunkt zu verkaufen und unterlassen eine aktive Handlung. Diese Tendenz zur Unterlassung wird auch als Omission Bias bezeichnet, auf den ich aber noch einmal gesondert eingehen werde. Diese Thematik fällt mir des Öfteren im Handelsraum auf. Sollte die Aktie in dem vorangegangenen Beispiel wieder steigen, dann ärgern sich die Händler, nicht nachgekauft zu haben. Fällt die Aktie jedoch weiter, dann erfolgt ein Abbau der kognitiven Dissonanz dadurch, dass viele Händler die zum Entscheidungszeitpunkt vorliegenden objektiven und rationalen Gründe noch einmal heranziehen. Menschen rechtfertigen dann ihre Entscheidung damit, dass der Verlauf so einfach nicht zu erwarten gewesen wäre oder dass selbst die besten Analysten von dem weiteren Kursverfall überrascht worden seien.
Verluste gehören zum Geschäft. Lernen Sie zu verlieren. Es zählt nicht der einzelne Trade - die Summe aller Trades ist entscheidend. Es gibt Trader, die lediglich eine Trefferquote von 35 Prozent aufweisen und dennoch Geld verdienen, da ihre Gewinne ihre Verluste überkompensieren. Ich empfehle Ihnen dringend, eine geeignete Stop Loss Strategie zu erarbeiten, die für Ihr System schlüssig ist. Das kann ein festgelegter Stopp Loss Kurs sein oder sogar das oben beschriebene Verbilligen einer Position. Wichtig ist nur, dass Sie wissen, welche Stop Strategie zu welchem System passt und Sie auch im Falle des umstrittenen Verbilligens wissen, ab welchem Verlustbetrag Sie Ihren Initial Stop Loss setzen und den Trade auslassen.
Dipl.-Psych. Florian Eberhard
Quellen:
Dr. Schriek, R. (2010). Besser mit Behavioural Finance. FinanzBuch Verlag.
Kahneman D., Tversky A. (1979). Prospect theory: An analysis of decision under risk. Econometrica 47, S. 263-292.
Kahneman, D., Knetsch, J. L., Thaler, R. H., (1991). Anomalies: The Endowment Effect, Loss Aversion, and Status Quo Bias. The Journal of Economic Perspectives, Vol. 5, No. 1, S. 193-206.
Betz N., Kirstein U. (2012). Börsenpsychologie. FinanzBuch Verlag.

