|
14. Dez
2011
|
|
Seit einigen Tagen fällt auf, dass der Dow Jones deutlich besser abschneidet als der DAX. Besonders gut sichtbar ist dies, wenn man sich die Entwicklung seit Anfang Dezember (siehe senkrechte Linie in den folgenden Charts) einmal genauer ansieht.

Während der DAX eindeutig abwärts tendiert (siehe Chart oben), kann sich der Dow Jones in einer Seitwärtsbewegung (siehe folgender Chart) auf höherem Niveau halten.

Dieses Phänomen könnte mit der zunehmenden Erkenntnis zusammenhängen, dass es um die europäische Konjunktur deutlich schlechter bestellt ist als um die Wirtschaft in den USA. Die erneute Zinssenkung der EZB in der vergangenen Woche ist hierfür ein weiteres Indiz.
Abwärtspotential der europäischen Wirtschaft noch deutlich größer als angenommen?
Der neue EZB-Präsident Mario Draghi hat seit seinem Amtsantritt die Zinserhöhungen seines Vorgängers Jean-Claude Trichet von April und Juli vollständig wieder ausgeglichen und abermals das Rekordtief von 1 Prozent erreicht. Die Notenbanker befürchten ein deutliches Nachlassen der Wirtschaftskraft im Euroraum und das Abwärtspotential scheint doch noch deutlich größer zu sein als angenommen.
Stagnation statt kurzer Rezession?
Bislang äußerte Draghi lediglich, es sei für Europa zu erwarten, dass "das langsame Wachstum zum Jahresende in eine milde Rezession übergeht". So zumindest die kurzfristigen Erwartungen. Doch eine Zinssenkung wirkt sich auf die Realwirtschaft erst sechs bis neun Monate zeitversetzt aus. Es ist also eher von einer längerfristigen Schwäche auszugehen.
Sparmaßnahmen der Euro-Länder wirken dämpfend auf die Wirtschaft
Dies ist eigentlich auch nur völlig logisch, denn die Sparmaßnahmen, die unweigerlich von den Regierungen der kriselnden Euro-Ländern beschlossen werden müssen, wirken sich negativ auf das Wirtschaftswachstum aus. Und bei einem derart großen Haufen an Schulden, dürfte sich der Schuldenabbau noch eine lange Zeit belastend auf die Wirtschaft auswirken. Mit den jüngsten Zinssenkungen könnte die EZB also diesem Effekt frühzeitig entgegengewirkt haben.
US-Indizes schnitten schon im August-Crash besser ab...
Und dieser Effekt, dass die US-Indizes die europäischen Pendants outperformen, zeigt sich nicht nur im kurzfristigen Bild und nicht erst seit Anfang Dezember, sondern eigentlich schon seit über einem Jahr. Während des August-Crashs fielen der DAX für Deutschland und der EuroStoxx für Europa deutlich weiter zurück als die US-Indizes.
In diesem Index-Vergleich von Mitte Juli bis Mitte September ist sehr schön zu erkennen, dass sich die US-Indizes bereits Anfang bis Mitte August fangen konnten, während der DAX und der EuroStoxx noch bis in den September hinein weiter fielen.
… und setzten die Outperformance bis heute fort
Und im Anschluss daran konnten die US-Indizes auch bereits wieder deutlich mehr zulegen und befinden sich fast schon wieder auf dem Niveau von vor dem Crash, während die beiden Indizes hierzulande bis dahin noch einen weiten Weg vor sich haben.
Marktteilnehmer sind sich einig: Aufschwung ist nicht in Sicht
Dieses Verhalten dürfte sich noch so lange fortsetzen, bis sich eine Entspannung in der europäischen Schuldenkrise abzeichnet. Die Marktteilnehmer scheinen sich auch völlig einig zu sein. Die EZB sieht in Europa keinen Aufschwung (eher die Gefahr eines Abschwungs) und stimuliert die Wirtschaft daher mit Zinssenkungen, der Aktienmarkt sieht in Europa keinen Aufschwung und tendiert daher nur seitwärts.
Isoliert betrachtet müsste der DAX die US-Indizes überholen
Das Ganze ist natürlich ein wenig irrsinnig, denn die Verschuldung der USA ist keineswegs weniger dramatisch. Doch der Fokus liegt einfach auf Europa. Und der DAX wird trotz seiner recht günstigen Bewertung mit einem KGV von knapp unter 10 und der eigentlich sehr soliden Wirtschaft in Deutschland einfach in Sippenhaft genommen. Im direkten Vergleich mit den USA – Europa ausgeblendet – müsste der DAX die US-Indizes deutlich überholen. Vielleicht kommt es zu einem späteren Zeitpunkt noch dazu.
Viele Grüße
Ihr
Stockstreet-Team
Quelle: www.stockstreet.de



