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02. Mai
2012
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Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins KröpfchenGeschrieben von: hsbc Getagged in: Märkte aktuell
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Wie die Technische Analyse bei der Auswahl derivativer Produkte helfen kann
von Jörg Scherer und Heiko Weyand, beide HSBC Trinkaus
Jeder Anleger hat es sicherlich schon erlebt: Man hat einen interessanten Titel ausfindig gemacht, möchte investieren – doch welche Art von Wertpapier soll es sein? Was bietet, vor dem Hintergrund der eigenen Risikoneigung und Erwartung, die bestmögliche Rendite? Die Aktie selbst, ein Optionsschein, eine Aktienanleihe oder vielleicht doch ein Bonuszertifikat?
Die Wahl eines geeigneten Produktes spielt nicht nur eine wichtige Rolle beim optimalen Einsatz des eigenen Kapitals. Vielmehr bietet die Produktvielfalt Anlegern die Möglichkeit, optimal vom erwarteten Kursverlauf zu profitieren. Deshalb möchten wir an dieser Stelle aufzeigen, welche Hilfestellung die Technische Analyse bei der Auswahl eines passenden Wertpapiers bieten kann.
Der Produktauswahl voran geht die Technische Analyse des Basiswerts selbst. Dabei können Anleger auf unseren Newsletter „Daily Trading“ zurückgreifen, in dem täglich neben DAX® und Euro-BUND-Future diverse Rohstoffe, Währungen und Einzelaktien unter technischen Aspekten beleuchtet werden. Das Ziel einer jeden Wertpapieranalyse ist es, sich eine möglichst konkrete Meinung zum künftigen Kursverlauf des Wertpapiers zu bilden. Im Rahmen der Technischen Analyse bedeutet dies, Trends, Zielmarken und Unterstützungszonen zu identifizieren, woraus sich nicht nur eine Kursverlaufserwartung ergibt, sondern sich auch Chancen und Risiken mit konkreten Kursmarken beziffern lassen. Die Ergebnisse der Analyse bieten allerdings nicht nur unter Money Management-Aspekten einen Mehrwert, sondern können auch die Auswahl der in Frage kommenden Anlagezertifikate oder Hebelprodukte erheblich erleichtern.
Welche Marktphase liegt vor bzw. wie lange möchten Anleger investieren?
Zunächst sind zwei wesentliche Merkmale für die Selektion der passenden Produktgattung entscheidend: die aktuelle Marktphase und das betrachtete Zeitfenster. Erstere wird klassischerweise durch einen Aufwärtstrend, eine Seitwärtsbewegung oder eine Abwärtstendenz charakterisiert. Ist der grundsätzliche Trend einer Zeitebene analysiert, ergeben sich hieraus bereits Anforderungen an die Produkteigenschaften. So sind „short“- bzw. mittel- bis langfristig orientierte Anlageprodukte in einem kurzfristigen Aufwärtstrend beispielsweise kaum die beste Wahl. Anleger sollten zudem relevante Widerstands- und Unterstützungszonen identifizieren. Klassischerweise werden diese durch markante Hoch- und Tiefpunkte sowie Glättungs- und Trendlinien markiert.
All diese Kursmarken können für das Money Management, z. B. für die Platzierung eines Stopp-Loss, als Orientierungspunkte dienen. Sie können aber auch als zusätzliches Argument bei der Auswahl eines derivativen Wertpapiers herangezogen werden. Angenommen, ein Investor möchte einen Turbo-Call mit Knock-Out-Barriere erwerben, da das unterliegende Papier sich in einem Aufwärtstrendkanal befindet. Er identifiziert außerdem eine solide Kreuzunterstützung bei beispielsweise 15,00 Euro. Dann sollte bei der Auswahl des passenden Produkts besagte Kreuzunterstützung berücksichtigt werden, indem ein Call mit einer Knock-out-Barriere unterhalb von 15,00 Euro ausgewählt wird. Oftmals lassen sich bei der technischen Analyse eines Wertes verschiedene, unterschiedlich markante Unterstützungsbereiche aufspüren. Kritische Produktmerkmale, wie z. B. Bonus- oder Knock-out-Barrieren sollten sich demnach möglichst unterhalb von markanten Unterstützungen befinden, die sich aus mehreren Komponenten (Horizontalen, Trendlinien, Glättungslinien) zusammensetzen und damit in der Regel eine stärkere Aussagekraft besitzen als singulär auftretende Haltebereiche. Um ein Knock-out-Ereignis zu verhindern, könnte zusätzlich ein Stopp-Loss auf diesem oder dem nächst höheren Unterstützungsniveau platziert werden. So können Anleger schon bei der Auswahl des Produkts sicherstellen, dass die Erkenntnisse aus der Analyse berücksichtigt werden und sich zudem vor der Wahl eines möglicherweise unpassenden Produkts schützen.
Eine technische Unterstützungszone kann als Orientierung für die Auswahl der Barriere eines Bonus-Zertifikats dienen
Ein Beispiel aus der Praxis: In unserem täglich erscheinenden Newsletter „Daily Trading“ haben wir am 30. März 2012 die Linde-Aktie (damals 132,96 Euro) analysiert und dabei auf der Unterseite neben dem Aufwärtstrend seit November 2011 vor allem das Aufwärtsgap vom 9. März, dem alten Allzeithoch bei 127,80 Euro sowie die 38-Tageslinie bei 127,90 Euro als maßgeblichen Haltebereich beziffert. Jenseits des neuen Allzeithochs bei 135,90 Euro markiert die Parallele zum Aufwärtstrend bei 142,75 Euro den nächsten Widerstand. Um Renditepotentiale auch bei leicht fallenden Kursen zu erhalten, können in dieser Situation besonders Discountzertifikate ihre Stärken zeigen. Der Unterstützungsbereich stellt bei der Auswahl die Vorgabe an den Cap. Vor dem Hintergrund der Analyse könnte sich folglich ein Discountzertifikat eignen, dessen Cap knapp unterhalb der Haltezone liegt, also bei rund 125,00 Euro. Anleger sollten an dieser Stelle aber ebenfalls das Fälligkeitsdatum des Zertifikats beachten, um den Höchstbetrag auch innerhalb des gewünschten Zeitraums realisieren zu können. In diesem Fall könnte bis zum 28. Dezember 2012 immerhin eine Rendite von 8,69% p.a. erwirtschaftet werden. Das angeführte Beispiel verdeutlicht eindrucksvoll, dass die häufig anzutreffende einseitige Orientierung am Produkt, welches die höchste Rendite verspricht, nicht immer zum attraktivsten Wertpapier führt.
Je nach Produktgattung können natürlich weitere technische Marken bei der Produktauswahl interessant sein. Denkbar wäre im obigen Beispiel auch die Entscheidung für ein Bonus-Zertifikat, mit oder ohne Cap. In diesem Fall könnte dann eine Barriere unterhalb der oben erwähnten Unterstützungszone liegen. Für den Cap spielte dann zusätzlich die Oberseite der Analyse eine Rolle: Hält der Kreuzwiderstand, könnte ein Angriff auf die Parallele des Aufwärtstrends bei 142,75 Euro erfolgen. Ein Bonus-Zertifikat mit einem Cap bei 135 Euro würde im positiven Szenario die Renditechancen für den Anleger deutlich schmälern, so dass ein Cap im Bereich der theoretisch möglichen Trendbegrenzung bei rund 140 Euro einem niedrigeren Cap vorgezogen werden könnte.
Diese Systematik lässt sich so auf viele Szenarios und Produkte übertragen. Ob Hebel- oder Anlagezertifikate, technische Marken bieten ideale Orientierungspunkte bei der Auswahl von Schwellen, Barrieren oder Caps. Sie können helfen, die eigene Kurserwartung optimal umzusetzen und erleichtern gleichzeitig die Produktauswahl.



