Sehr verehrte Leserinnen und Leser,
die Anleger grübeln: Der Dow Jones steht auf einem neuen Allzeithoch, aber dem S&P 500 fehlen noch 1,6 % bis zur eigenen neuen Höchstmarke. Der DAX steht nun an der 8.000-Punkte-Marke, braucht aber noch 2 % mehr bis zu seinem Allzeithoch. Gelingt also nun der Ausbruch an den Märkten oder doch nicht?
Der Schlüssel zur Lösung
Der Schlüssel zur Lösung ist die Target-Trend-Methode. Zugegeben, auch die Target-Trend-Methode beantwortet die Frage nicht völlig zweifelsfrei. Aber sie ist ein perfektes Hilfsmittel, um die Stimmung der Anleger aus dem Kursverlauf abzulesen. Und das klappt eben besonders gut und einfach, wenn die Kurse so dicht vor einem wichtigen Niveau stehen.
Dazu der folgende Chart des S&P 500:
Sie sehen, dass sich der S&P 500 seit November in einem lupenreinen Aufwärtstrend (grün) bewegt. Der jüngste Anstieg seit Ende Februar (steilere schwarze Linien) bewegt sich in Richtung Oberkante dieses Trends. Genau dort trifft der Trend auf das Allzeithoch bei 1.576 Punkten (rote Linie) und bildet somit das gelbe Target.
Wenn Sie sich mit der klassischen Charttechnik auskennen, dann hätten Sie dieses einfache Target auch finden können, dort heißt es „Kreuzwiderstand“. Aber der Vorteil der Target-Trend-Methode ist, dass Sie außer derart offensichtlichen Punkten, den Targets, auch andere, teilweise unsichtbare neuralgische Punkte finden.
Ein unschätzbarer Vorteil
Das Kursverhalten an diesen neuralgischen Punkten gibt Ihnen eindeutige Hinweise, welchen Weg der Kurs danach höchstwahrscheinlich nimmt. Sie haben also stets eine begründete Vermutung über den weiteren Kursverlauf – ein unschätzbarer Vorteil im Trading!
Aber auch als langfristiger Investor können Sie insbesondere an so bedeutenden Marken wie einem Allzeithoch mit der Target-Trend-Methode wichtige Einblicke in die mentale Verfassung des Marktes erhalten. Schauen wir uns dazu das aktuelle Beispiel im Detail an:
Aufgrund der momentan überaus eindeutigen Tendenz des S&P 500 zum Target hin, sollte der Index das Allzeithoch auch erreichen - idealerweise natürlich an dem Target, also bis Mitte dieser Woche. Das ist aktuell unsere begründete Vermutung über den Kursverlauf.
Je nach tatsächlichem Kursverlauf erfahren wir viel über die Stärke oder Schwäche, die tatsächlich im Markt steckt. Wird das Targetniveau merklich später als vorgesehen erreicht, bedeutet das natürlich Schwäche, ist also eher bearish zu werten. (Umgekehrt wäre ein früheres Erreichen bullish, aber das ist hier wegen der geringen zeitlichen Nähe zum Target kaum noch möglich bzw. hätte weniger Aussagekraft als eine Verschiebung nach hinten.) Gleiches gilt, wenn der Kurs unter dem Target vorbeistreicht oder sogar vorher abdreht.
Die Stärken und Schwächen des Marktes
Wird das Target(-Niveau) erreicht, ist der weitere Verlauf interessant. Schießt der Kurs darüber hinaus, würde das die Stärke des Marktes natürlich nochmals unterstreichen, zumal es dann schnell zu einem Ausbruch aus dem grünen Trend nach oben kommen könnte. Das allein wäre schon ein sehr bullishes Signal.
Interessanter aus Sicht vieler investierter Anleger sind jedoch die möglichen Zeichen der Schwäche. Die wichtigsten hatte ich schon genannt: das Nichterreichen des Targetniveaus, also des Allzeithochs. Die Wahrscheinlichkeit dafür steigt insbesondere dann, wenn zuvor der kleine schwarze Trend nach unten verlassen wird. Das wäre das erste wichtige Warnsignal!
Die nächste kritische Marke ist die blaue Linie bei 1.531 Punkten, die als Unterstützung für die Bullen dient. Diese Linie sollte halten, wenn das Allzeithoch kurzfristig noch attackiert werden soll. Die vorläufig letzte Bastion der Bullen ist natürlich die Unterkante des grünen Trends. Wird diese gebrochen, ohne dass zuvor das Allzeithoch erreicht wurde, übernehmen voraussichtlich die Bären bis auf Weiteres die Oberhand.
Natürlich müssen alle diese Szenarien jeweils unter Berücksichtigung des dann vorliegenden Kursverlaufs nochmals neu bewertet werden. Aber Sie sehen, dass Sie sich dennoch für die kommenden Tage und Wochen recht klare Vorstellungen machen können, wie es weitergeht.
Die beiden wichtigsten Szenarien für den weiteren Verlauf
Da vermutlich das Allzeithoch nicht ohne Probleme im ersten Anlauf überwunden wird, helfen diese Überlegungen auch für diesen Fall. Im folgenden Chart habe ich Ihnen einmal zwei Varianten skizziert, wie es nach einem Abpraller im S&P 500 weitergehen könnte. In beiden Fällen könnte eine längere Seitwärtsbewegung unterhalb des Allzeithochs folgen.
Und nun bleibt uns nur noch gelassen abzuwarten, wie die Märkte sich entscheiden werden. Das ist doch ganz einfach, oder?
Mit besten Grüßen
Ihr Torsten Ewert