Der schwache Euro als Treibstoff für den DAX

Die Verhandlungen in Griechenland sind gescheitert. Die Reaktion des Marktes auf diese Nachricht ist schön im DAX-Future zu erkennen.

 

Der FDAX brach in wenigen Minuten um 100 Punkte ein, konnte sich aber anschließend zunächst wieder etwas erholen.

Trotzdem steigt jetzt die Unsicherheit, wie es in Europa weitergeht. Und Unsicherheiten mag der Markt überhaupt nicht. Wir müssen also damit rechnen, dass die Märkte weiterhin belastet bleiben. Ich wünschte, ich könnte Ihnen andere, bessere Nachrichten mitteilen.

 

Euro-Reaktion vergleichsweise harmlos

Interessanterweise reagiert der Euro zwar mit deutlichen Abschlägen, aber im Vergleich mit anderen Kurseinbrüchen muss man diese angesichts der heiklen Situation als noch eher mäßig bezeichnen. Dazu der Euro/Dollar-Chart:

 

 

Sie sehen, dass es bei weitem schon dramatischere Kursabschläge des Euro gegeben hat. Der bisherige Rückgang der vergangenen Tage reicht hingegen nicht einmal mehr bis zu den Tiefs von Anfang des Jahres. In der langfristigen Betrachtung sieht also die Reaktion des Euros bisher noch wenig dramatisch aus. Aber, das kann natürlich noch kommen.

 

Zwischen Abwärtstrend und Seitwärtsbewegung

In dem Chart können Sie zudem schön erkennen, dass sich neben dem aktuellen Abwärtstrend (rote Linien) die Seitwärtsbewegung (blaues Rechteck), die ich hier schon häufiger als Prognose erwähnt hatte, gleichfalls etabliert hat. Irgendwann in den kommenden Monaten wird sich die Frage „Abwärtstrend vs. Seitwärtsbewegung“ entscheiden.

Doch es gibt nach wie vor Hinweise, die auf die Seitwärtsbewegung hinweisen. So flachen sich die unteren Extrempunkte leicht ab. Des Weiteren ist zu erkennen, dass im Bereich der Marke von 1,25 bis 1,30 Dollar eine starke Unterstützung (siehe grünes Rechteck) ausgebildet wurde. Dieser Bereich ist einer der Kursniveaus, in denen sich der Euro in den vergangenen acht bis neun Jahren am häufigsten aufgehalten hat. Diese beiden Faktoren sind in der Lage, den bisherigen Abwärtstrend nach unten hin zu begrenzen.

Somit ist nach wie vor eine Fluktuation zwischen 1,50 Dollar (die obere Begrenzung ist mittlerweile eindeutig) und entweder 1,25 Dollar oder 1,18 Dollar das favorisierte Szenario - auch das zweimalige Testen der 1,50er Marke spricht für diese These.

 

Fallender Euro, steigendes Wirtschaftswachstum

Etwas, das angesichts der Krisenstimmung immer wieder in den Hintergrund der Berichterstattung gedrängt wird ist, dass ein schwacher Euro für die deutsche Wirtschaft wie Öl ins Feuer des Wachstums wirkt. Sollte der Euro tatsächlich wieder bis zur 1,18er Marke fallen, müssen wir mit damit rechnen, dass die Prognosen zum Wirtschaftswachstum in Deutschland nach oben angepasst werden müssen. Eigentlich sollte der DAX demnach bei einem fallenden Euro eher steigen! Doch wer will schon behaupten, die Börsen reagieren rational. Wenn Sie aber nach Gründen suchen, warum sich der DAX trotz der Risiken so stark hält, ist dies sicherlich eines der gewichtigeren Argumente. Auch wenn die Unsicherheit die Logik noch eine ganze Weile verdrängen wird, irgendwann werden sich die harten Daten durchsetzen. Dann, wenn sich die Börse wieder einmal an das ganze Chaos gewöhnt hat.

 

Viele Grüße

Ihr Jochen Steffens

 

Quelle: www.stockstreet.de